Unberechenbar wütend

Maximilian Diehle begibt sich in „Katzelmacher“ in die Abgründe der menschlichen Seele
Katzelmacher

Unberechenbar wütend

Von Anfang an hat ihn die Tiefe und Unberechenbarkeit des Peter, in dem Theaterstück von Rainer Werner Fassbinder, fasziniert. Obwohl der junge Schauspieler für die Hauptrolle im Gespräch war, hat er der Regisseurin Jessica Glause selber vorgeschlagen, doch den Peter zu spielen. Nach einem weiteren Besetzungsvorsprechen für diese Rolle, durfte er sich ganz in das wütende Seelenleben des Peters hinein gegeben und diesen zerrissenen jungen Mann spielen. „Ich habe schnell gemerkt, dass hinter seinen Wutausbrüchen viel mehr steckt und diese Tiefe der Figur hat mich angezogen. Ich hab schon öfter solche Typen gespielt, zum Beispiel bei Detlev Buck.“ Und dabei ist Maximilian Diehle noch gar kein gestandener Charakterdarsteller, sondern noch auf dem Weg ein ganz Großer zu werden. Aber das Deutsche Theater in Berlin konnte er mit seinem Talent, diese schwierige Rolle zu spielen, überzeugen. Auch unter den Berlinern und Theaterfreunden scheint sich rumgesprochen zu haben, dass diese Inszenierung richtig gut ist. Bis Ende März sind schon alle Vorstellungen ausverkauft.

Mit dem Stück trifft das Theater aber auch sicher den Zeitgeist.Der 23jährige Fassbinder schrieb das Stück 1968, als die ersten Gastarbeiter in der BRD ankamen. Knapp fünfzig Jahre später leben sie hierin der dritten Generation und Deutschland steht vor der Herausforderung, hunderttausende Geflüchtete zu integrieren. Auch in „Katzelmacher“ taucht ein griechischer junger Mann in einer Kleinstadt auf, die bis dahin von Ödnis gekennzeichnet war. Eine Gruppe Jugendlicher hängt ab – auf dem Spielplatz, der Straße, in der Kneipe. Man säuft, hat Sex und geht fremd, lästert, man langweilt sich, ist frustriert von der Leere in und um sich herum. Weil das wohl immer schon so war und so sein muss. Weil die Fantasie fehlt, wie es anders sein könnte. Dann taucht Jorgos auf. Der Fremde löst Sehnsüchte und Aggressionen aus und stellt die alte Ordnung in Frage. Denn: “Ich fürcht mich, weil von niemand nichts Gutes nicht kommt.”

Termine: 
06./13./22. Februar
09./16./21./31. März
usw.