Im Liebesrausch

Roman Pertl verführt, verzweifelt und berührt als Romeo am Landestheater Marburg
Roman Pertl als Romeo am Landestheater Marburg

Im Liebesrausch

In ihrem bedingungslosen Glauben an die eine Liebe, die einzig wahre Liebe, die allen Widerständen trotzt, sind Romeo und Julia weltweit vielleicht die bekanntesten Liebenden. Diesen Figuren ein Mal aufs Neue Leben einzuhauchen und ihren Rausch der Gefühle glaubhaft zu interpretieren, ist für Schauspieler Freude und Herausforderung zugleich. Für Roman Pertl war in der Vorbereitung auf die Rolle ganz klar, dass er seinen Zugang zu Romeo von den Erwartungen anderer trennen muss. Er guckte sich Videos von Kurt Cobain und Jim Morrison an. „Diese beiden Musiker waren exzessiv wie sie lebten, wie sie ihre Kunst ausübten, sie brauchten den Exzess. Auch Romeo ist ein junger Mann, der sich in etwas aufgibt. Daher habe ich den Zugang zu seiner Gefühlswelt über diese beiden Musiker gesucht.“

Musik spielt auch in der Inszenierung des Intendanten Matthias Faltz am Landestheater Hessen in Marburg eine große Rolle. Mit einer Mischung aus Pop, Rock und Renaissance-Musik, wird die Emotionalität des Dramas unterstützt und gesteigert. „Es gibt einige Textstellen, die zu Liedern komponiert wurden, die wir Schauspieler also singen. Das ist schon echt cool und passt für mich total zu der Art, wie ich Romeo spiele und verstehe.“

Gerade die jüngeren Zuschauer habe die derbe Sprache des Stücks immer wieder überrascht, erzählt Roman Pertl. Frank Günther belässt seine Shakespeare Übersetzungen sprachlich sehr nah am Originalton, was für den Laien stellenweise eher nach einer modernen Interpretation, als einer jahrhundertealten Sprache klingt. Wenn also davon gesprochen wird, dass Romeo mal ‘vögeln gehen soll‘, ist ein Raunen im Publikum für die Schauspieler nicht zu überhören. Aber genau diese Mischung aus ausufernder Liebe, derber Sprache und großem Drama, macht das Stück aus. Und wenn dieses Drama dann nicht mit großem Pathos gespielt wird, sondern als glaubhafte Rock-Inszenierung daherkommt, dann tobt der Saal.

Weitere Termin:
28.04.17, 20:00 Gastspiel in Rüsselsheim
05.05.17, 19:30 Landestheater Marburg
In der nächsten Spielzeit soll das Stück wieder aufgenommen werden