Der Prozess

Markus Majowski bei den Bad Hersfelder Festspielen
Markus Majowski bei den Bad Hersfelder Festspielen

Der Prozess

Die Hinrichtung als Gnade ist ein schwieriges Thema und wurde bei der Premiere am
5. Juli mit begeistertem Applaus belohnt.

Hier findet Ihr weitere Vorstellungstermine:

www.bad-hersfelder-festspiele.de/spielplan/der-prozess.html

Auszug aus einer Kritik der Hersfelder Zeitung:

Es pfeift ein kalter Wind durch die Mauern der Stiftsruine, es fallen Schneeflocken, und Justitia ist hier nicht blind, sondern gleich ganz verhüllt, so dass die Inschrift „in dubio pro reo“ wie der blanke Hohn erscheint.

Auch wenn die eisige Atmosphäre künstlich erzeugt ist, sie wirkt in Joern Hinkels Inszenierung von Franz Kafkas Roman „Der Prozess“, den der Intendant in seiner Spielfassung auf heutige Zeiten und Verhältnisse zugeschnitten hat.

Eine Verhaftung ohne Angaben von Gründen, der Irrweg durch die Institutionen bis in einen bizarren Gerichtsapparat, dessen undurchsichtige Mechanismen wohl nur dem Selbstzweck dienen, all das steckt in der Leidensgeschichte des Bankangestellten Josef K., der ständig hinterfragt, was ihm da widerfährt, der aber nie eine Antwort bekommt. Am Ende steht ein Todesurteil, das nicht wie im Buch gleich vollstreckt wird, sondern den Weg in die Revision offen lässt. Man fragt sich nach dem Martyrium des Josef K., ob die sofortige Hinrichtung nicht die gnädigere Lösung gewesen wäre.

Dass man jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen kann, das spürt auch das Premierenpublikum: Es spendete lange und reichlich Beifall für einen intensiven Theaterabend. Doch die Anspannung mag sich nicht gleich lösen, die Bedrückung bleibt.

Regie: Joern Hinkel

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