Ilja Richter – 65 Jahre und ein bisschen weise

Es gibt Männer, es gibt Frauen, es gibt Kinder und es gibt einen Ilja
Ilja Richter - 65 Jahre und ein bisschen weise

Ilja Richter – 65 Jahre und ein bisschen weise

Am 24.11.1952 wurde in Berlin-Karlshorst ein besonderes Exemplar der Menschheit geboren: Es gibt Männer, es gibt Frauen, es gibt Kinder, aber es gibt nur einen Ilja, das ist die Erfahrung, die ich in den 10 Jahren unserer Zusammenarbeit machen durfte. Weisheit ist, nicht zu warten bis ein tolles Theaterstück um die Ecke gelaufen kommt, sondern es selbst zu schreiben, zu inszenieren und sich damit zum 65. Geburtstag auf die Bühne seines Wunschtheaters zu stellen. Nicht ganz am Geburtstag, einen Tag später:

VERGESST WINNETOU feiert am 25.11.2017 am Schlosspark Theater Berlin seine Uraufführung und da es keinen Zweck hat, für morgen Werbung zu machen, da bereits ausverkauft ist, weisen wir hier auf die 2. Berliner Vorstellung hin.

19.05.2018 um 16 Uhr

 

Auszug aus einem Interview im Tagesspiegel vom 24.11.2017:

Herr Richter, Sie treten in wenigen Tagen im Berliner Schlossparktheater auf, dem Haus von Dieter Hallervorden. Ein Freund von Ihnen?

Ja, obwohl Freundschaft zwischen uns ein dehnbarer Begriff ist. Der Dieter ruft in gewissen Abständen an und sagt: „Ilja, Du machst doch immer so schöne Titel. Ich brauche dringend einen.“

So etwas wie „Licht aus – Spot an“? Ihre Ansage aus „Disco“, einer der ersten Popmusiksendungen im deutschen Fernsehen, ist ja legendär.

Ach, das ist lange her. Genauso wie „Zelleriesalat und Gitterspeise“, ein Hallervorden­Programm in den 80ern. Aber den Titel der aktuellen Biografie „Hallervorden – ein Komiker macht Ernst“, den habe ich ihm jüngst spendiert.

Und zum Dank hat er Sie eingeladen, bei ihm Ihre Karl­May­Revue „Vergesst Winnetou“ zu geben.

Typisch Dieter: Wir sitzen da und denken über Titel nach. Irgendwann erzähle ich, dass ich an einem Programm über Karl May arbeite. Er fragt: „Was ist das? Ach, das ist interessant.“ Dann geht er zum Computer, guckt, wo ein freier Platz im Spielplan ist, boom, zack, erledigt. Das weiß ich zu schätzen.

Hallervorden gehört einer Generation an, die sofort etwas mit Karl May anfangen kann. Jüngeren müssen Sie den erst einmal erklären.

May hat eine Auflage von 200 Millionen. Ob ich den Abend nun mache oder nicht: May ist der meistverkaufte, erfolgreichste deutsche Schriftsteller. Mich interessiert dieser Mann.

Wer als Junge in den 60er Jahren aufwuchs, musste sich entscheiden, ob er beim Spielen Winnetou oder Old Shatterhand sein wollte.

Ich habe mich als Cowboy verkleidet, und wenn ich aus der Kindervorstellung kam, dann war ich ein Westernheld. Allerdings bin ich durch meinen gerechtigkeitsliebenden Vater früh darauf aufmerksam gemacht worden, wie man mit den Indianern umgesprungen ist. Fertiggemacht wurden die, das Land wurde ihnen weggenommen.

Was zeichnet einen guten Kino­Western aus?

Dass die elementaren Fragen des Lebens von vornherein klar geregelt sind: Man tut bestimmte Dinge nicht, weil sie unfair und rücksichtslos sind, und es ist ganz klar, dass diese bekämpft gehören.Die Parodie „Der Schuh des Manitu“ muss für Sie ja dann das pure Grauen gewesen sein.

Überhaupt nicht, der war köstlich. Ich habe auch nicht verstanden, warum Pierre Brice sich so aufgeregt hat und „RRRespekt!“ für seinen Winnetou einforderte. Natürlich bin ich auf der Seite der Komödianten. Bully Herbig hat seinen Film ja als Liebeserklärung an Karl May gemacht.

Und jetzt machen Sie auch eine?

Mein Karl­May­Abend wird keine Liebeserklärung an den Western. Es geht auch nicht darum, wie viele Bücher ich gelesen habe und wie schön das war mit Karl May. Ich mache einen unterhaltsamen Abend, bei dem man informiert wird, lacht, ein wenig traurig ist. Ich singe, lese, spreche. Und wenn die Leute rausgehen, sollen sie sagen, ach, so war das, hätte ich nicht gedacht. Man will die Kundschaft ja nicht langweilen.