Die letzte lebende Diseuse – Blandine Reloaded

Blandine Ebinger, Ehefrau und Muse Friedrich Hollaenders und Stimme der vom Elend gezeichneten Weimarer Republik, konnte so viel mehr als singen: Mit Krächzen, Gurren, Flöten, Fiepen und Kreischen wurde sie der erste Popstar der Cabaret- und Chansonszene Berlins. Ihr folgten Lotte Lenya, Ada Hecht, Gisela May, die Dietrich und all die anderen legendären Berliner Diseusen; eine urberliner Spezies, fähig, eine ganze Oper in ein einziges Lied zu pressen. Welch tapfere, neuzeitliche Berlinerin wird diese illustre Gattung der Diseusen, fast schon weggebissen von fanatischen Chansonetten, vorm Aussterben retten?

 

Natürlich La Nick – die letzte Lebende ihrer Art. Zwischen Glamour und Groteske quiekt, lispelt, gurrt und murrt keine wie sie – Hollaender hätte einen Purzelbaum geschlagen! Ein Hoch auf Désirée Nicks unverwüstliche Kehle – mit der sie diesmal zur Wiederbelebung einer legendären Spezies einlädt: als Blandine Reloaded!

 

Am Flügel: Volker Sondershausen

Einfach nur göttlich

 

Sie waren Ikonen ihrer Zeit, begehrte Frauen mit Stil und einer umwerfenden Ausstrahlung. Die Diseusen der goldenen zwanziger Jahre in Berlin. Dann gerieten sie in Vergessenheit. Nun, fast 100 Jahre später, haucht Désirée Nick diesem glamourösen ‘Beruf‘, wie sie es nennt, wieder Leben ein. „Ich bin eine schillernde Frau, die von jeder dieser großen Diseusen etwas hat. Es steckt zum Beispiel ein Hauch Grete Weiser in mir, ein Hauch Edith Hancke, ein Hauch Blandine Ebinger und ein Hauch Marlene Dietrich. Ich bin facettenreich und vereine sie alle zugleich.“ Diseuse sei eine große Spezialbegabung, sagt Désirée Nick, die man ohne ein Original zu sei, auch nicht leben könne. Ein urspezifisches Berliner Genre, das in Vergessenheit geraten ist. Dem hat sich Désirée Nick nun ganz verschrieben und kehrt damit zu den Anfängen ihrer Karriere zurück. „Ich hab so angefangen. Ich bin über das Singen zum Schauspiel gekommen. Wie man mich heute in der Öffentlichkeit wahrnimmt, entspricht nur zu fünf Prozent meiner Persönlichkeit. Als Diseuse kann ich all das zeigen, was in mir steckt, was ich kann und wer ich bin.

 

Bevor Désirée Nick als „Die lebende Diseuse“ am 11.04.17 in der Bar jeder Vernunft in Berlin Premiere feiern wird, wird sie im Rahmen einer „aspekte“-Sondersendung zur Berlinale, das illustre Publikum am 15.02.17 als Diseuse unterhalten. Vor den Größen der deutschen Filmwelt, wie Volker Schlöndorff, wird sie einige Lieder ihres Programms singen und Gast der Talkrunde sein. „Ich möchte die Herrschaften bei aspekte damit überraschen. Ob die Diseusen kennen? Ich denke, ich habe die richtige Runde, um das Genre zu besprechen. Da freue ich mich sehr drauf!“

Mit viel Glanz, umwerfender Musik, erotischem Spiel und doppeldeutigen Liedern wird Désirée Nick ihr Publikum verzaubern. Wie wäre es da, wenn die Diseusen-Kunst, wieder mit ihr in Verbindung gebracht würde? „Das würde mich sehr glücklich machen“, lacht sie.